Muskazinen – ein regionales Geheimrezept aus Dettelbach

Heute habe ich ein ganz besonderes Gebäck für euch. Es ist regional, hat eine außergewöhnliche Form und schmeckt wunderbar würzig und ein bisschen nach Weihnachten – die Muskazinen.

Die originalen Muskazinen findet man nur in Dettelbach, einer kleinen Stadt in Unterfranken. Hier sind sie eine regionale Spezialität und sind auch noch weit in den anliegenden Landkreisen bekannt und bliebt.

 

Dettelbacher Muskazinen Holzmodel

Die Geschichte der Muskazine

Erfunden wurde das süße Gebäck Anfang des 19. Jahrhunderts von Urban Degen. Es ranken sich viele Legenden um die Entstehungsgeschichte.

Der fränkische Zuckerbäcker soll nach einer durchzechten Nacht auf den Ritter Kuno von Tierberg gestoßen sein. Dieser war von seiner Burg am Kocher zum Wallfahrtsort Dettelbach gepilgert. Der Ritter gab Urban Degen Muskatstückchen gegen seinen vom vielen Wein verursachten Kater. Scheinbar hat es gut gewirkt, denn der Kater verschwand. Der Geschmack von Muskat aber blieb & inspirierte ihn zu einem würzigen Gebäck: den Muskazinen.

Der Zuckerbäcker soll ein sehr eitler Mann gewesen sein, der großen Wert auf seine Kleidung legte. So schnitzte er für sein neues Gebäck eine Form, die seiner Krawattenschleife nachempfunden war. Diese Form ist dem Gebäck auch bis heute geblieben.

Dettelbacher Muskazinen Gewürze

Zu Lebzeiten hielt Urban Degen das Rezept geheim und weihte erst kurz vor seinem Tod die ortsansässigen Berufskollegen in das Geheimnis seiner Rezeptur ein, lies sich jedoch versprechen, dass das Originalrezept ausschließlich unter den einheimischen Konditoren bleibt.

Daran haben sich die Konditoreien bis heute auch gehalten und so kann man die Dettelbacher Spezialität nur noch in zwei Läden kaufen:

Das Café Kehl wurde 1686 gegründet. Bei ihnen gibt es die Muskatzine mit „tz“. Als Zutaten sind neben Mehl, Eiweiß, Zucker, Haselnüssen, Kardamom, Nelken, Zimt und Muskat noch Zitronat und Orangeat im Teig. Dadurch schmecken die Gebäckstücke angenehm fruchtig und leicht. Es hat sich auch die Markenrechte für die Muskatzinen gesichert und so ist es nur noch einem anderen Café erlaubt ebenfalls Muskazinen herzustellen.

Das Café Achtmann gibt es seit fast 140 Jahren. Sie schreiben die Muskazinen nur mit „z“. In ihrem Teig findet man weder Eiweiß noch Früchte, dafür aber Marzipan. Die Krawattenschleife ist etwas größer als die des Café Kehl und die Konsistenz etwas härter.

Welches Rezept das Originalrezept ist, oder ob dieses überhaupt noch jemand hat, weiß keiner.

Produzenten von Muskazinen

Café Peter Achtmann Konditorei, Falterstraße 24, 97337 Dettelbach

Café Kehl Konditorei, Eichgasse 5, 97337 Dettelbach

Wie ich zu meinem Rezept gekommen bin

Viele Hausfrauen in der Region haben ein eigenes Rezept, das ihnen von ihren Vorfahren weitergegeben wurde. Auch ich habe ein Rezept von meiner Oma väterlicherseits geerbt, die aus einem angrenzenden Dorf von Dettelbach stammt.

Allerdings habe ich es abgewandelt, da es mir viel zu kompakt, zu schwer in der Konsistenz war. Es enthielt weder Nuss noch Früchte, dafür jedoch Rum.

Wer jetzt neugierig auf dieses besondere Gebäck geworden ist, in der nächsten Zeit allerdings nicht in das Wallfahrtsörtchen kommt, der kann sich die Muskazinen nach diesem Rezept jetzt selbst backen – auch ganz ohne Holzmodel. Wenn ihr mal im Dettelbacher Raum Ausflüge oder Urlaub macht, findet ihr die Formen auf Trödelmärkten, Weihnachtsmärkten und vereinzelt auch in kleineren Dettelbacher Läden.

Dettelbacher Muskazinen

Dettelbacher Muskazinen

Das wird benötigt:
4 Eier
400 g Zucker
150 g gehackte Walnüsse
1 1/2 TL Muskat
5 gemahlene Nelken
4 TL Lebkuchengewürz
3 TL Zimt
50 g Zitronat
30 g Orangeat
500 g Dinkelmehl Type 650
3 TL Backpulver

Und so wird´s gemacht:
1) Zitronat und Orangeat  fein hacken und beiseitestellen.
2) Die Eier mit dem Zucker sehr lange schaumig rühren, bis sich der Zucker gelöst hat.
3) Dann die Nüsse und Gewürze unterrühren, zum Schluss das Mehl und das Backpulver einarbeiten.
4) Aus dem Teig Würste formen, jeweils ca. 5 cm lange Stücke abschneiden und mit dem bemehlten Model Muskazinen formen.  Ohne Model: Aus den Stücken längliche Stäbchen formen. Dann in die Mitte der Kekse mit einem Messerrücken 2 Rillen drücken und die Kekse dort leicht zusammendrücken.
5) Die rohen Muskazinen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen und an einem kühlen Ort 24 Stunden trocknen lassen.
6) Am nächsten Tag die Muskazinen bei 200°C 8 Minuten backen.

Tipp: Muskazinen werden mit der Zeit ziemlich hart. Aber es gibt einen tollen Tipp wie man sie genießen kann. Man beißt das erste Stück ab, setzt die Lippen an und bläst hinein. Durch die Feuchtigkeit wird die Muskazine sofort wieder weich und die Gewürze schmecken noch intensiver.

3 Kommentare zu „Muskazinen – ein regionales Geheimrezept aus Dettelbach“

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